Hey Du,
dein Tag ist schon voll, also hier die kurze Version einer langen, wütend machenden Geschichte.
Eine Frau in ihren Zwanzigern geht jahrelang mit chronischen Beckenschmerzen zum Arzt.
1. Arzt: „Manchmal ist Schmerz Einbildung.“
2. Arzt: Stress.
3. Arzt: Pille und ein Flyer über Selbstfürsorge.
Jahre später findet ein Chirurg Läsionen an ihren Eierstöcken. Endometriose. Unbehandelt ihr ganzes Leben. Die Verzögerung hat bleibende Organschäden hinterlassen.
Leider keine Ausnahme, sondern System.
Woher kommt das?
Wusstest du, dass Aristoteles, einer der Urväter der Medizin, Frauen als „verstümmelte Männer” bezeichnete? Hippokrates glaubte, die Gebärmutter wandere durch den Körper, wenn eine Frau nicht regelmäßig Sex hat und schwanger wird. Die Krankheit, die daraus entstehe, nannte er „Hysterie” (von griechisch hystera: Gebärmutter).
Diese Steinzeit-Diagnose überlebte bis ins 20. Jahrhundert und wurde für wirklich alles verwendet: Schmerzen, Depression, Unzufriedenheit in der Ehe usw.
Behandlungen: Elektroschocks, Aderlass, in manchen Fällen die Entfernung der Klitoris oder Eierstöcke.
Echte (sadistische) Operationen. Für eine erfundene Krankheit.

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Und wie sieht’s heute aus?
Laut der Women’s Health Survey 2024 berichtete fast jede vierte Frau von respektloser Behandlung beim Arzt. Jede Dritte davon, nicht ernst genommen oder nicht geglaubt worden zu sein.
Frauen warten in der Notaufnahme statistisch länger als Männer mit denselben Symptomen. Frauen bekommen seltener Schmerzmittel. Frauen werden häufiger nach Hause geschickt mit der Botschaft: abwarten, aushalten, geduldig sein.
Herzerkrankungen sind die HÄUFIGSTE Todesursache bei Frauen. Und dennoch kennen die meisten nicht die typischen Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen. Denn die zeigen sich weniger als Brustschmerzen, sondern eher als Kieferschmerzen, Rückenschmerzen und Übelkeit.
Das liegt daran, dass das medizinische Standardbild das eines Mannes ist. Frauen werden mit echten Herzinfarkten nach Hause geschickt, mit der Diagnose Panikattacke oder Sodbrennen.
Was sich ändert, langsam
Heute schließen mehr Frauen als Männer ihr Medizinstudium ab. Das ist nicht nur eine nette Zahl. Wenn Frauen Labore leiten und Abteilungen führen, werden andere Fragen gestellt, andere Symptome ernst genommen, andere Studien finanziert. Die Datenlage zeigt: Die Gesundheitsversorgung von Frauen verbessert sich, wenn Frauen im Raum sind.
Was bleibt
Die Idee, dass Frauen dazu gemacht sind, Schmerz zu ertragen, ist nicht mittelalterlich. Sie steckt in unserem patriarchal geprägten System. In den Wartezeiten. In den Diagnosen. In den Schubladen.
Und wenn du das gerade liest und denkst, das ist nicht meine Geschichte, dann frag bitte mal die Frauen in deinem Leben. Ich wette, sie haben Geschichten auf Lager, die sie dir noch nicht erzählt haben.
Unsere neue Podcast-Folge ist da!
Hör unbedingt rein bei Nicht dein Typ Frau (überall da, wo es Podcasts gibt 🎧). Diese Woche 3 Storys:
Story #1: Eine Frau fängt mit Skaten an und kann nicht einfach in Ruhe üben. Weil Männer es ihr unmöglich machen.
Story #2: Eine Frau wird 8 Jahre lang von Ärzten nicht ernst genommen. Und was das über unser Gesundheitssystem sagt.
Story #3: Eine Frau repariert ihre Waschmaschine selbst. Und ist so verdammt stolz darauf. Weil ihr niemand zugetraut hat, dass sie es kann.
Hör rein und lass ein Follow da. 💚



Erstmal danke für den Text! Das mit der "Hysterie" hab ich gar nicht gewusst. Heute haben wir stattdessen "psychosomatisch“, "Panikattacke“ und "Burnout“... Derselbe Mechanismus, mit nem anderen Etikett. Das Problem wird einfach wieder in einen hinein verlegt, anstatt endlich mal das Denken der Medizin zu hinterfragen.
Aber ich glaube es reicht auch nicht, einfach mehr Frauen in die Medizin zu bringen. Am Ende lernen sie ja dieselbe überholte Medizin, die genau dieses Problem schafft.