Hey Reader,
der Muttertag liegt hinter uns, und ich muss sagen, ich finde ihn grundsätzlich schön.
Kinder mit selbst gemalten Bildern, eine kleine Aufmerksamkeit, ein echtes Danke. Das ist doch eigentlich der Kern davon, oder?
Aber jedes Jahr passiert dasselbe. Die Werbung dreht auf, die sozialen Medien überfluten sich mit Posts, und irgendwo dazwischen taucht er wieder auf: der Superheldinnen-Mythos.
“Sie schafft alles, sie gibt alles, ich weiß nicht, wie sie das macht.” Und ich werde jedes Mal ein bisschen müde davon.
Nicht, weil ich das Lob nicht verstehe. Sondern weil dieser Mythos im Grunde eine ziemlich bequeme Geschichte ist. Für alle außer der Mutter selbst.
Diese hochproduzierten Werbespots, die uns mit Streichern und Zeitlupenaufnahmen zum Weinen bringen, um uns am Ende Waschmittel oder Joghurt zu verkaufen, die feiern ja nicht wirklich Mütter. Die feiern das Funktionieren. Die feiern, dass jemand alles stemmt: Job, Haushalt, Kinderlogistik und die unsichtbare Dauerplanung im Hintergrund.
Und ich frage mich offen gesagt, was es über uns als Gesellschaft aussagt, dass wir genau das so rührselig finden. Dass wir Tränen in den Augen haben beim Anblick einer Frau, die alles gibt, und gleichzeitig nie die Frage stellen: muss das eigentlich so sein?
Wäre es nicht ein deutlich radikaleres Geschenk, die Aufgaben mal neu zu verteilen, statt die Überbelastung mit einer Blumenbox zu quittieren?
Was ich mir wünschen würde, ist ein Muttertag, der auch ein bisschen unbequem ist. Der fragt, wie es der Mutter eigentlich geht, nicht im Sinne von “du machst das so toll”, sondern im Sinne von “was brauchst du, was fehlt dir, wo können wir abgeben”.
Ein Werbespot, der zeigt, wie ein Partner Verantwortung übernimmt, nicht als Ausnahme und großes Ereignis, sondern einfach, weil es selbstverständlich ist. Den habe ich noch nie gesehen.
Was denkst du? Schreib mir gerne zurück, ich bin wirklich neugierig auf deine Perspektive.
Toudeloo, Sina
Unsere neue Podcast Folge ist da!
Schau unbedingt rein bei Nicht dein Typ Frau (überall da, wo es Podcasts gibt). Alina und ich nehmen echte Storys von echten Frauen auseinander, diese Woche mit drei Fällen, die es in sich haben:
Story #1: Warum lernen wir nicht, wie sehr Schwangerschaft und Geburt unseren Körper für immer verändern können?
Story #2: Eine Mutter verliert wegen eines (fahrlässigen?) Fehlers ihres Mannes fast ihre Tochter.
Story #3: Eine Scheidungsanwältin gibt einen Ratschlag, den man sich am besten tätowieren sollte.
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Ich mag Muttertag überhaupt nicht. So wie inszenierter Valentinstag.