Hallo Du,
ich bin stinksauer!
Deutschland hat die EU-Entgelttransparenzrichtlinie nicht umgesetzt. Fristgerecht war der 7. Juni. Passiert ist: nichts.
Bevor du weiterliest, kurz erklärt, was das eigentlich bedeutet. Denn “Entgelttransparenzrichtlinie” klingt nach langweiligem Behördendeutsch, ist aber in Wahrheit eines der schärfsten Werkzeuge, das wir gegen die Gender-Pay-Gap je in der Hand hatten.
Was die Richtlinie konkret bedeutet:
Du hast als Arbeitnehmerin das Recht zu fragen: Was verdienen meine Kolleginnen und Kollegen, die den gleichen oder gleichwertigen Job machen?
Die Antwort muss schriftlich kommen. Als Durchschnittswert, aufgeschlüsselt nach Geschlecht. Und wenn du feststellst, dass du unter dem Durchschnitt deiner männlichen Kollegen liegst, dann kannst du das als geschlechtsspezifische Benachteiligung rechtlich geltend machen.
Das ist kein kleiner Schritt. Das ist ein Systemwechsel.
Denn bisher war Lohntransparenz ein Tabu. In vielen Unternehmen stehen in den Arbeitsverträgen sogar Klauseln, die verbieten, über das eigene Gehalt zu reden. Was natürlich vor allem einer Gruppe nutzt: den Arbeitgebern, die Frauen seit Jahrzehnten systematisch schlechter bezahlen.
Die Richtlinie hätte das Schweigen gebrochen. Offiziell. Rechtlich bindend.
Und jetzt? Nimmt Deutschland lieber die EU-Strafe in Kauf.
Die offizielle Begründung: zu viel Bürokratie. Zu große Belastung für die Wirtschaft.
Ich übersetze das mal: Zu unbequem für Unternehmen, die gerade sehr gut damit fahren, dass niemand genau hinschaut.
Weil, wenn wirklich hingeschaut wird, dann kommen Zahlen raus, die viele Vorstände schwitzen lassen. Zahlen, die zeigen, dass z.B. männliche Controller im Schnitt 15, 20, manchmal 25 Prozent mehr verdienen als ihre gleichqualifizierten Kolleginnen. Nicht weil sie besser sind. Sondern weil das System sie bevorzugt. Seit immer.
Die Fäden ziehen hier wie immer Lobbyisten, die für genau diese Unternehmen arbeiten. Und rechtzeitig die richtigen Telefonnummern gewählt haben.
Das Nichtumsetzen der Entgelttransparenzrichtlinie ist eine Entscheidung, die sagt: Wir wissen, dass Frauen systematisch benachteiligt werden. Wir wissen, wie man es ändern könnte. Und wir tun es trotzdem nicht.
Das Thema MUSS auf die Agenda. Und zwar laut!
Ich bin wütend. Und ich finde, du darfst das auch sein.
Was denkst du dazu? Schreib es mir in den Kommentaren!
Toudeloo, Sina

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Und lass gerne ein Follow da. 💚



Ich denke deine Wut ist berechtigt, aber war etwas anderes zu erwarten? Von wem? Unserer aktuellen Regierung? 😅
Und meines Erachtens geht die ganze Gender Pay Debatte sowieso am eigentlichen Problem vorbei. Selbst eine perfekt umgesetzte Richtlinie würde nur sicherstellen, dass alle gleich schlecht für ihre Lebenszeit bezahlt werden. Also dasselbe Gefängnis, nur ein bisschen gerechter – also definitiv kein wirklicher Sieg.
Dass die Richtlinie nicht umgesetzt wurde, ist ein echtes Ärgernis. Der Ärger darüber ist berechtigt. Was in der Debatte oft untergeht: Die Lücke schließt sich tatsächlich, langsam, aber stetig. In Deutschland von 23 % (2006) auf 16 %, bei uns in Österreich von 22 auf knapp 18. Kein Grund zur Entwarnung, eher das Gegenteil: Es bewegt sich was, sobald jemand hinschaut. Genau deshalb wäre die Umsetzung jetzt wichtig gewesen – weniger als Symbol, mehr als Werkzeug. Schade, dass man die Hand wieder vom Schalter nimmt, kurz bevor es wirkt.