Ein Kindergeburtstag. Thema Kostümparty.
Ein Mädchen verkleidet sich als Dino. Krallen aus Filz, Zähne aufgemalt, brüllt einmal quer durch den Garten. Alle Eltern lachen, jemand ruft “Geh, du Powerfrau”, jemand anderes zückt sofort das Handy fürs Familiengruppenchat.
Zwanzig Minuten später kommt ein Junge im Feenkleid an. Glitzer, Tüllrock, die ganze Ausstattung. Und der Garten wird für einen Moment leiser. Jemand lacht, aber anders. Nervös. Eine Mutter fragt “ach, hat er sich das ausgesucht?” mit diesem Unterton, der eigentlich “bitte sag nein” heißt.
Wir tun so, als würden wir Kinder heute gleich behandeln. Tun wir nicht. Wir haben nur gelernt, unsere Ungleichbehandlung besser zu verkaufen.
Mädchen dürfen sich in Richtung Stärke bewegen
Seit ein paar Jahren feiern wir das offiziell. Mädchen sollen mutig sein, wild sein, laut sein. Es gibt Bilderbücher über Prinzessinnen, die keine Retter brauchen. Es gibt T-Shirts mit “Future CEO” in Pink. Es gibt Elternratgeber, die dir erklären, wie du deine Tochter “empowerst”.
Und versteh mich nicht falsch. Das ist erstmal sehr gut. Nur zeigt die Richtung, in die wir Mädchen schieben, etwas sehr Entlarvendes.
Wir schieben sie Richtung all dessen, was wir früher als männlich codiert haben. Ehrgeiz. Durchsetzungsvermögen. Coolness. Die Eigenschaften, die schon immer als wertvoll galten, nur eben früher nicht für sie reserviert waren.
Jungs dürfen sich nicht Richtung Fürsorge bewegen
Hier hört der Fortschritt auf. Ein Junge, der gerne mit Puppen spielt, weinen will, wenn ihm danach ist, oder einfach sanft ist, bekommt keine Bilderbuchreihe. Er bekommt den Satz “sei doch kein Mädchen” oder “stell dich nicht so an”
Fürsorge, Empathie, Verletzlichkeit. Also all das, was wir als weiblich codiert haben. Das bleibt tabu. Denn diese Eigenschaften sind “weiblich” verknüpft.
Und das gilt in unseren Köpfen immer noch als Abwertung.
Was wir so wirklich tun
Wir empowern Mädchen nicht raus aus dem Patriarchat. Wir empowern sie, besser reinzupassen. In die Hälfte, die zählt.
Der Denkfehler: Männlich bleibt das Ziel. Weiblich bleibt das Vermeidbare.
Solange wir Kinder in diese eine Richtung schieben, ändert sich im Kern leider gar nichts. Wir verschieben nur, wer sich in welche Richtung bewegen darf.
Konsequenz für die Gesellschaft
Immer mehr junge Frauen tragen heute beide Seiten in sich. Mutig und stark, aber genauso empathisch und fürsorglich. Sie haben gelernt, sich zu behaupten, ohne zu verlernen, wie man für andere da ist.
Bei vielen Männern fehlt aber genau diese zweite Komponente. Die empathische, fürsorgliche Seite wurde ihnen nie zugestanden, also haben sie sie auch nie trainiert.
Der Junge, der mit 5 lernt, dass Weinen peinlich ist, wird mit 35 der Mann, der nicht über Gefühle sprechen kann.
Der Junge, der mit 6 lernt, dass Puppenspielen komisch ist, wird mit 35 der Vater, der sich nicht für Care Arbeit verantwortlich fühlt.
Was echte Gleichberechtigung eigentlich bedeutet
Gleichberechtigung ist nicht, wenn Mädchen so sein dürfen wie Jungs. Das ist genauso eine Einbahnstraße.
Gleichberechtigung ist, wenn niemand mehr sein muss wie irgendwer. Wenn ein Junge im Prinzessinnenkleid genauso wenig Kommentar braucht wie ein Mädchen im Dinokostüm. Wenn Fürsorge kein Makel ist und Stärke kein Privileg.
Was denkst du?
Unsere neue Podcastfolge ist da!
Schau unbedingt rein bei Nicht dein Typ Frau (überall da, wo es Podcasts gibt). Meine engste Freundin Alina und ich lesen wahre Storys von Frauen und kommentieren diese schonungslos. Diese Woche:
Story #1: Sie stellt ihre Mutter vor der ganzen Familie zur Rede, weil diese sie und ihre Schwester ständig wegen ihres Aussehens runtermacht. Zu viel – oder überfällig?
Story #2: Ihr Ex verreist zum ersten Mal allein mit den Kindern – und merkt plötzlich, wie viel Arbeit dahintersteckt, die sie sonst unsichtbar erledigt hat. Sie fühlt sich schuldig und amüsiert zugleich.
Story #3: Die Mutter verhandelt mit einem Caterer, schickt aus Versehen eine wütende Mail direkt an ihn – und bekommt sofort einen besseren Preis. Muss man wie ein Mann klingen, um einen ehrlichen Preis zu erhalten?
Hör unbedingt rein und lass ein Follow da. 👇



als Mutter eines Sohnes, der Elsa liebt, seine langen Haare gerne im geflochtenen Zopf trägt, und trotzdem Fahrzeuge und Fußballfan ist, bin ich immer wieder schockiert darüber, wie festgefahren in Stereotypen vielen Jungseltern sind. Danke dir für diesen wichtigen Beitrag!